Bahn Streik

Wir unterstützen die GDL in ihrem Kampf für bessere Arbeitsbedingungen und für das Streikrecht

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Der Streik der GDL wird von den Medien leider in vielerlei Hinsicht nur sehr einseitig oder sogar falsch dargestellt. Massiv Stimmungsmache gegen Weselsky ist an der Tagesordnung, obwohl der Streik absolut angebracht ist. Wir haben für euch einige der wichtigen Punkte zusammengefasst die in den Medien oft „vergessen“ werden oder einfach so verkürzt dargestellt, dass sich ein falscher Eindruck ergibt.

1. Die große Koalition plant ein neues Gesetz zur Tarifeinheit. Das ist schon seit Beginn der großen Koalition im Gespräch und nicht etwa neu. Endergebnis ist, dass für jeden Betrieb nur noch die Gewerkschaft einen Tarifvertrag für alle abschließen darf, die die meisten Mitglieder hat. Für alle anderen soll dann sogar ein Streikverbot gelten, was eigentlich gegen das verfassungsmäßige Streikrecht geht.
Wenn das passiert, verliert die GDL ohne die volle Anerkennung der Zuständigkeit für die Zugbegleiter ihre kompletten rechtlich gesicherten Druckmittel. Es geht hier also um die nackte Existenz und nicht um irgendwelche persönlichen Machtambition von Weselsky, wie das die ganze Zeit dargestellt wird.

Dieser Gesetzesentwurf betrifft übrigens keineswegs nur die Lockführer. Auch zum Beispiel der Ärzteschaft geht es mit diesem Gesetz an den Kragen. Der Marburger Bund macht schon seit geraumer Zeit Kampagne gegen dieses Gesetz. Und dabei streiken die Ärzte eigentlich fast nie für Lohn, sondern hauptsächlich immer für bessere Arbeitsbedingungen. Und selbst das eigentlich nur, wenn es wirklich so katastrophal ist, dass es eigentlich genauso um das Wohl der Patienten geht, wie um das der Ärzte. Näheres dazu kannst du hier nachlesen:
http://www.marburger-bund.de/projekte/projektuebersicht/freiheit-statt-tarifdiktatur

2. Die fehlende Streikbeendigung wird die ganze Zeit völlig einseitig als Weselsky‘s Schuld dargestellt. Warum eigentlich? Die Bahn könnte doch genauso sagen sie geht auf die Forderungen der GDL ein und damit den Streik beenden. Oder liegt der Bahn die deutsche Wirtschaft etwa doch nicht so am Herzen? Warum macht sie das nicht? Weil sie langfristig auf das unter eins genannte Gesetz spekulieren und hoffen die GDL so in Zukunft rechtlich in die Tasche stecken zu können. Das hat die GDL durchschaut und sich nicht veräppeln lassen. Jetzt sind sie weil sie sich nicht über den Tisch ziehen lassen wollten wegen massiver Medienpropaganda „an allem Schuld.“
Aber ein Streik kann immer durch ein Nachgeben der Arbeitgeberseite beendet werden.

3. In kaum einem Land wird so wenig gestreikt wie in Deutschland. Das große Gejammer das hier darum gemacht wird ist völlig überzogen, überall sonst gibt es mehr Arbeitskampf und die Behauptung es wäre unverhältnismäßig stimmt somit einfach nicht. Nicht mal in Europa.
Diese oder ähnliche Informationen hast du vielleicht schon in intellektuellen Blättern gelesen, aber wir sagen dir auch, warum nicht nur ausgerechnet dieser Streik gerechtfertigt ist, sondern JEDER Streik dir als Arbeitnehmer hilft.
Denn was sie dir selbst in den besser recherchierten Medien nicht sagen:

JEDER Streik, egal von welchem Betrieb, sorgt indirekt dafür dass auch dein Lohnniveau steigt oder zumindest erhalten bleibt.
Warum ist das so? Ausführlich kannst du das bei Marx „Lohnarbeit und Kapital“ nachlesen, aber wir versuchen dir dazu einen kurze Abriss zu geben:
Leider ist die Argumentation dazu in ihrer Komplexität nicht über ein gewisses Maß reduzier bar, daher bitten wir dich die theoretische Einleitung zu lesen bis zu dem Punkt wo wir darauf zurück kommen was es dir nutzt.
Die Bahn und fast jeder Betrieb argumentiert regelmäßig, dass sie die erhöhten Lohnkosten auf die Preise, also auf die Kunden abwälzen werden und daher diese die Leidtragenden seien und quasi das Geld von den Kunden in die Taschen der streikenden Arbeitnehmer fließen würde.
Das stimmt nicht! Denn jeder Betrieb befindet sich nicht nur im Kampf mit seinen Arbeitnehmern, sondern auch in Konkurrenz zu jedem anderen Betrieb. Wenn z.B. die Angebote der Bahn zu unwirtschaftlich werden, steigen die Kunden auf andere Anbieter um, wie das jetzt bereits schon immer mehr geschieht. Das bedeutet wenn die Bahn als Betrieb bestehen bleiben will muss sie ihre Angebote wieder attraktiver machen: Vereinfacht gesagt die Preise wieder senken.
Eine Preissenkung oder quasi Beibehaltung bei gleichzeitiger Steigerung der Lohnkosten, bedeutet vor allem eins: Ein fallen des Profits der Bahn.
Das bedeutet: Weniger Profit für die Bahn AG, weniger Möglichkeiten fette Renditen an die Führung zu zahlen und teure Geschäftsreisen zu finanzieren und insgesamt weniger Reichtum für die Kapitalistenklasse, bei mehr Reichtum in diesem Fall für die Streikenden.
Auch können die anderen Konkurrenzunternehmer die Löhne nicht beliebig auseinander driften lassen. Wenn zum Beispiel die Fernbusunternehmer irgendwann eine wirklich relevante Konkurrenz sind zur deutschen Bahn und die Busfahrer dort viel schlechter bezahlt werden, haben diese irgendwann auch die Nase voll und wollen für gleiche Arbeit gleiches Geld. Wenn die Konkurrenz relevant ist, dann ist auch das Druckmittel Streik dieser neuen Arbeitnehmer, der Busfahrer in diesem Beispiel, relevant und die Situation wiederholt sich.

Dadurch dass die Streikenden mehr Lohn haben, können sie mehr Dinge kaufen, die ihnen nutzen. Das bedeutet die Nachfrage bei zum Beispiel Lebensmitteln und kleineren Luxusartikeln steigt. Dies führt wenn überhaupt nur kurzfristig zu einem Preisanstieg dieser kleineren Luxusartikel (LCD Fernseher, neuer Computer, neue Möbel) da wir eine ständige Überproduktion haben. Sollte es tatsächlich zu einem Preisanstieg kommen, wird dieser schnell wieder ausgeglichen dadurch dass neue Kapitalisten in die Branche – die ja jetzt mehr Geld abwirft als vorher – einwandern und durch die dadurch entstehende verschärfte Konkurrenz das Preisniveau wieder auf das Ursprungsniveau sinkt. Die Löhne der Streikenden sind ja aber gleich hoch, also ist das Preisniveau für sie IM VERGLEICH sogar gesunken, da sie sich für die gleiche Arbeit mehr kaufen können. Der Reichtum insgesamt ist also gewachsen auf Verbraucherseite.

Und jetzt kommen wir dazu warum DIR das hilft: Du profitierst davon indirekt, dass diese neuen Produkte ja auch produziert werden müssen, verkauft werden müssen, und die Leute die dafür angestellt wurden oder ihren Job nicht verloren haben wiederum mehr Lebensmittel und andere Produkte kaufen können die wieder zu dem oben erklärtem Kreislauf führen und den Reichtum auf Verbraucherseite mehren.
Das bedeutet, selbst wenn du irgendwo an der Kasse stehst und wegen dem Streik früher aufstehen musstest, weil du sonst zu spät gekommen wärst, ist ein erfolgreicher Arbeitskampf selbst einer so fernen Berufsgruppe der Lockführer ein kleiner Tropfen auf die Waage, die Preise billiger macht und dafür sorgt dass du deinen Job behältst, während ein verlorener Arbeitskampf ein Tropfen auf die Seite der Waage ist, die die Preise relativ erhöht (durch weniger Lohn kann man sich weniger kaufen bei gleichbleibenden Preisen) und vielleicht dazu führt, dass du irgendwann deinen Job verlierst, weil es nicht mehr genug Nachfrage gibt, weil sich die Produkte eben gerade keiner leisten kann.

Deshalb solltest du dich bei jedem Streik auf die Seite der Arbeitnehmer stellen und diesen Sachverhalt so gut du kannst auch deinen Kollegen erklären, denn wir sitzen letztlich alle im gleichen Boot!