KRD: „Unsere 7 Prinzipien“

1. Marxistischer Humanismus

 

Das erste unserer Prinzipien, ist das Bekenntnis zum marxistischen Humanismus.
Es geht darum, alle „Verhältnisse abzuschaffen, in denen der Mensch ein geknechtetes und verächtliches Wesen ist“.
Insbesondere verneinen wir das Primat der ökonomischen „Sachzwänge“ (die im Kapitalismus im Wesentlichen der Zwang zur Profitmaximierung sind).
Die Ökonomie hat dem Menschen zu dienen und nicht der Mensch der Ökonomie.
Wir vertreten, dass „das Sein das Bewusstsein bestimmt“, aber, dass das revolutionäre Bewusstsein in der Lage ist, das Sein durch die Praxis zu ändern.

2. Vergesellschaftung der Produktionsmittel

 

Die Wirtschaft muss wieder einen menschlichen Charakter annehmen. Es wird immer deutlicher, dass das im Rahmen des kapitalistischen Systems nicht mehr möglich ist.
Die einzige vernünftige Form den Kapitalismus endgültig zu überwinden und durch eine neue, humane Form der Wirtschaft zu ersetzen, ist die weltweite Vergesellschaftung der Produktionsmittel und Rohstoffe.
Eine verschwindend winzige Minderheit der Menschen hat alle anderen Menschen nahezu vollständig enteignet und das Kapital an sich gerissen. Doch die Mächtigen und Reichen sind selbst den kapitalistischen ökonomischen Gesetzmäßigkeiten unterworfen, die ständigen Überproduktions- und Finanzkrisen und – blasen beweisen das.
Die ‚Expropriation der Expropriateure‘ (d.h. Enteignung der Enteigner) muss weltweit stattfinden, damit nicht die Ökonomie den Menschen benutzt, „verwertet“, verplant und knechtet, sondern der Mensch die Ökonomie regelt und plant. Das ist nur möglich durch die Zerstörung der kapitalistischen Staat und durch die Errichtung eines Arbeiterstaat.

3. Nie wieder Stalinismus

 

Die ersten sozialistischen Revolutionen, ‚Expropriationen der Expropriateure‘, führten u. a. aufgrund der wirtschaftlichen und kulturellen Rückständigkeit der Länder, in denen sie stattfanden, zur Entstehung zeitweiliger bürokratischer Zwangsregime.
Die Entstehung dieser oft mit dem Begriff Stalinismus bezeichneten Zwangsregime spiegeln im Wesentlichen in ihren politischen, sozialen und kulturellen Formen die historische Vergangenheit wieder (z.B. in Russland den Zarismus und die Überreste der asiatischen Produktionsweise). Sie bewirkten nachhaltige Desorientierung und Frustration unter den Arbeitern der Welt.
Der Kapitalismus erhielt dadurch eine Atempause in seiner Niedergangsphase: Viele Millionen Menschen glauben aufgrund der Erfahrungen mit dem Stalinismus, zum kapitalistischen Wahnsinn gebe es keine Alternative.
Aber auch in den entwickelten Metropolen werden die in traditionellen Gewerkschaften und Arbeiterparteien aktiven Menschen mit Bürokratisierungsprozessen konfrontiert – in letzter Konsequenz unterwerfen sich die Bürokratien aller Art dem Diktat des Kapitals.
Und auch in den unterentwickelten Ländern zeigt sich die Pest der bürokratischen Systeme, in Form des „Kapitalismus mit stalinistischer Ausbeutungsform“. Damit meinen wir Regierungen, die eine Einheitspartei bilden, jede mögliche linke Opposition vernichten, Reformen ansteuern, die das System nicht in Frage stellen, und sogar manche Konflikte mit Sektoren des Imperialismus produzieren.
Dazu zählen Gaddafi und Chavez, Mubarak und Morales –sog. „Caudillos“, also Oberhäupter bzw. Anführer, die mit ihren Worten mit dem Sozialismus kokettieren, aber in Wirklichkeit sehr bestrebt sind, den Kapitalismus aufrechterhalten.
Transparenz, freie Diskussion und ständige Rechenschaftspflicht sowie jederzeitige Abwählbarkeit von Delegierten sind die Merkmale der kommenden Übergangsgesellschaft.
Das verträgt sich nicht mit Ein-Parteien-Diktatur und politischer Gleichschaltung, die die Systeme stalinistischer Prägung kennzeichnen.
Ein bewusstes, kritisches und urteilsfähiges Proletariat ist die Essenz jeder Rätedemokratie. Wo es das nicht gibt, da stellen sich stets „Stellvertreter“ ein, die im Rahmen des niedergehenden Weltkapitalismus immer die Interessen derjenigen verraten werden, die sie zu vertreten vorgeben.

4. Das revolutionäre Subjekt ist die Arbeiterklasse

 

Der Blick darauf, dass die spätkapitalistische Welt eine Klassengesellschaft ist, geht leicht dadurch verloren, dass die soziale Klasse des Proletariats so riesengroß geworden ist.
Die Mehrheit der Deutschen besitzt nichts außer ihrer Arbeitskraft und dem, was sie braucht, um die Arbeitskraft zu regenerieren. Sie verfügen über keine Produktionsmittel und gehören damit direkt der Klasse des Proletariats an, da sie hinsichtlich der Produktionsfaktoren bloß Besitzer ihrer eigenen Arbeitskraft sind.
Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass ein sehr großer Teil des Proletariats aufgrund kapitalistischer Propaganda und medialer Einlullung meint, einer „Mittelklasse“ anzugehören.
Die Klasse der Kapitalbesitzer dagegen ist verschwindend klein – dafür hat sie aber fast alle Vermögenswerte an sich gerissen.
Um ihre Macht zu sichern, bedienen sie sich ganzer Heere von Mitarbeitern in den diversen bürokratischen Apparaten in Staat, Parteien, Unternehmen etc., deren Klassenlage trotz ihrer Korrumpierung eine proletarische ist.
Aufgrund seiner Größe und seiner Stellung im Produktionsprozess ist das Proletariat die einzige Klasse, die in der Lage ist, den kapitalistischen Horror zu beenden und eine Übergangsgesellschaft zu schaffen, die jedem einzelnen Menschen seine Existenz und die Erfüllung seiner Grundbedürfnisse gewährleistet.
Das revolutionäre Subjekt ist und bleibt die Arbeiterklasse, heute mehr denn je.
In erster Linie scheint es ein Hindernis zu sein, dass diese Klasse, die längst weltweit die Mehrheit der Bevölkerung stellt, sich ihrer Existenz und ihrer potentiellen Macht gar nicht bewusst ist. Dieses Bewusstsein (Klassenbewusstsein) zu schaffen, dem widmen wir unsere Energie.

5. Internationalismus

 

Die Globalisierung des Kapitalismus macht es unmöglich, sich der Kralle des kapitalistischen Marktes und dem Diktat imperialistischer Trusts zu entziehen.
Weder auf lokaler noch auf nationaler, geschweige denn auf weltweiter Ebene können „Inseln der Seligen“ oder selbst nur nichtkapitalistische Enklaven auf Dauer bestehen. Jede Illusion darüber ist verhängnisvoll.
Die Illusionslosigkeit darüber führt zu einer eisernen Konsequenz: der niedergehende Kapitalismus muss in einem weltweiten kombinierten Prozess ausgehebelt und durch von Räterepubliken regierten revolutionäre Übergangsgesellschaften ersetzt werden, die den Weg zum Sozialismus öffnen.
Dies erfordert eine weltweite Koordinierung und Organisierung derjenigen Kräfte, die dafür eintreten, eine Weltpartei für sozialistischen Räterepubliken zu schaffen. Kräfte, die in allen Ländern und Regionen der Welt aktiv sind und sich an die Spitze der sozialen Kämpfe des Proletariats und seiner Bündnispartnern stellen.

6. Danketsu

 

Wir wollen eine dynamische Konzeption eines Organisationskollektivs für revolutionäre Arbeit erreichen. Eine derartige Konzeption erfordert, dass die Mitglieder dieses Organisationskollektivs gegenseitige Solidarität (Danketsu) üben.
Wir wollen dadurch ein kollektives Bewußtsein erreichen, aber nicht ein beliebiges, auch nicht ein von einer Führung geschaffenes, das blind vertreten wird.
Wir wollen den Begriff „Organisationskollektiv“ so verstehen, dass sich in ihm die individuellen Identitäten tatsächlich integrieren und nicht anpassen, auch nicht an das „bestehende“ momentane Bewußtsein des Kollektivs.
Das ist nur möglich, wenn diese Solidarität zwischen den Mitgliedern des Kollektivs auf allen Ebenen verwirklicht wird.
Der Begriff „Danketsu“ ist dafür der beste Begriff, den wir gefunden haben.
Danketsu bedeutet „Solidarität, die Niemanden zurücklässt“.
Danketsu ist Japanisch und besteht aus zwei Kanji – Zeichen.
Einzeln bedeutet das erste Zeichen „Rang“ (dan), aber auch „Ergebnis“.
Das zweite Zeichen bedeutet „Blut“ (ketsu), aber auch „Gruppe“.
Zusammen bedeuten beide Kanji-Zeichen also „Ergebnisse einer Gruppe“, aber auch „Solidarität“.
Diese Konzeption der Solidarität, also eine die einen „ersten Dan“ als Ergebnis erreicht, und die wie das Blut in einem Menschen die Genossen in einer Gruppe bindet, fordert auch eine sehr genaue und verantwortliche Art der Zusammenarbeit innerhalb des Organisationskollektivs.
Jeder soll in die Lage gebracht werden, das Kollektiv nach vorne, zur Erforschung neuer Grenzen zu bewegen, und so in der Lage sein, sich in das Kollektiv zu integrieren, ohne es mit Passivität zu gefährden.
Wir wollen damit nicht nur individualistische Führungsansprüche verhindern, sondern auch die parasitäre, passive Toleranz solcher Führungsansprüche.
Ziel dieser Konzeption ist es auch, dass spontane Handlungen nicht nur „erlaubt“, sondern gefördert werden. Jede private spontane Handlung wird als Spontaneität des gesamten Kollektivs verstanden und jedes Manko in der Spontaneität eines Mitgliedes ist sofort ein Manko des gesamten Organisationskollektivs.
Die Spontaneität wird selbstverständlich vom Kollektiv erwünscht und realisiert und als positiv empfunden und kann zum Nachdenken anregen.

7. Klassenunabhängigkeit

 

Jeder Versuch, die Arbeiter- und Massen Bewegung der politischen Führung der Bourgeoisie oder einer ihrer Fraktionen unterzuordnen, oder eine Klassenkollaboration zu errichten, ist für uns ein offener Verrat am Ziel der Revolution.
Daher werden wir keine bürgerliche Regierung unterstützen.
Wir unterstützen auch keine „kapitalistische Regierung mit bürokratischer Prägung“.
Darunter verstehen wir Regierungen wie die von Chavez, Morales, Gaddafi, usw. also Regierungen die im Wesen, d.h. was ihre Produktionsweise angeht, kapitalistisch sind, die aber die Arbeiterklasse auf bürokratische, vom Stalinismus erlernte Weise, unterdrücken.
Bei solchen Regierungen stellt sich allerdings immer dann, wenn sie in eine ernste Interessenkrise mit dem Imperialismus geraten, die Frage, was im Interesse der Arbeiterklasse ist.
Eine Invasion des Imperialismus in der Art früherer Invasionen, als Krieg oder Putsch, ist ganz klar gegen die Interessen der Arbeiterklasse. Sich gegen eine solche Invasion zu stellen ist demnach richtig und keine Klassenkollaboration.
Sich aber gegen die Invasion des Imperialismus zu stellen

  • ohne gleichzeitig das Interesse der Arbeiterbewegung und der Massenbewegung zu betonen,
  • oder diese Massenbewegung zu bagatellisieren, indem man die Führung dieser Massenbewegung mit der Massenbewegung selbst gleichsetzt,
  • oder diese Massenbewegung auf eine Verschwörung der möglicherweise pro-imperialistischen Führung zu reduzieren

bedeutet für uns sehr wohl Kollaboration mit dem bürokratischen Kapitalismus und deswegen Verrat an die Interessen der Arbeiterklasse.